DEUTSCHLAND HAT RÜCKEN

Jedes Jahr das gleiche Bild: Wenn die großen Krankenkassen ihre Gesundheitsreports veröffentlichen, kommt der Rücken nicht gut weg. 

Wenn es im Rücken zwickt, ist das nicht unbedingt ein Zeichen für eine ernste Erkrankung. Studien belegen, dass 80% aller Rückenbeschwerden als unspezifisch einzustufen sind. Die Ursache sind meist harmlose muskuläre Verspannungen, die allerdings sehr schmerzhaft sein können.

Peter Geukes vom ProVital Gesundheitszentrum kennt die häufigsten Beschwerden aus vielen Gesprächen mit Kunden: „Nicht nur die Lendenwirbelsäule ist oft betroffen. Auch im Bereich der Halswirbelsäule treten häufiger Verspannungen auf, die mit Kopf- und Nackenschmerzen einhergehen können.“

Der Dipl. Sportlehrer weiß auch um die Ängste der Betroffenen: „Viele Rückenschmerz-Patienten meinen, dass sie sich schonen müssten. Sie richten sich in einer eingeschränkten Beweglichkeit ein. Dabei ist vielfältige Bewegung  in den meisten Fällen die beste Therapie. Nur in seltenen Fällen verursacht die Wirbelsäule den Schmerz. Ganz oft ist der Apparat aus Muskeln und Sehnen – gewissermaßen die Takelage – nur eingeschränkt beweglich und schmerzt. “

Tatsächlich sind Bewegungsmangel, einseitige Belastungen am Arbeitsplatz und Übergewicht die wichtigsten Gründe für „Ich hab Rücken“. Bandscheibenprobleme und Abnutzungsschäden an den knöchernen Strukturen der Wirbelsäule sind seltener die Ursache für Rückenschmerzen als vielfach vermutet.

Der typische Beschwerdekreislauf beginnt mit einer erhöhten Grundspannung der betroffenen Muskulatur, beispielsweise verursacht durch Überbeanspruchung, ungewohnte Bewegungen, langes Sitzen oder einseitige bzw. verkrampfte Körperhaltung. Die Muskelspannung stört die Durchblutung des Muskelgewebes, das sich verhärtet und zu schmerzen beginnt. Weil die nun weniger dehnbare Muskulatur an den Sehnen zerrt, schmerzen nicht nur die Muskeln selbst, sondern auch die Ansatzpunkte der Sehnen an den Knochen. Das Zusammenspiel der Rumpfmuskulatur gerät aus der Balance, die Schonhaltung tut ihr übrigens dazu. Andere Muskelgruppen werden nun ebenfalls strapaziert, der Schmerz weitet sich aus.

Dauern diese im Prinzip harmlosen, unspezifischen Rückenprobleme sehr lange an oder kehren häufig wieder, besteht die Gefahr, dass sie chronisch werden. Darum sind Sport und Bewegung so wichtig. Statt sich zu schonen, sollte man sich möglichst vielfältig bewegen, die persönliche Belastungsgrenze herausfinden und behutsam erweitern.

Die Möglichkeiten zur Prophylaxe und Therapie sind vielfältig und abhängig vom Interesse, Belastbarkeit und ggf. natürlich von der Art des Schmerzes. Peter Geukes: „Wichtig sind Vielfalt und Alltagstauglichkeit des Rückentrainings. Geräte mit ihren vorgegebenen, fixierten Bewegungsabläufen helfen nur begrenzt. Sinnvoller sind Übungen zum funktionellen Krafttraining. Bei diesen Übungen an Seilzügen werden die kleinsten Muskelschlingen gestärkt und Dysbalancen ausgeglichen. Auch Yoga, Pilates und natürlich die klassische Rückenschule helfen, die Takelage wieder geschmeidig und leichtgängig zu machen.“

Die Redaktion

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